Drüber und drunter – wie unser Plan bis jetzt aufgeht

Die Republik wird besser. Aber sie wächst nicht. So steht es um unser gemeinsames Unternehmen zur Jahreshälfte.

Liebe Verlegerin, lieber Verleger, sehr geehrte Chefs

Es ist an der Zeit, Sie wieder über den aktuellen Stand des Irrtums zu informieren.

Eines gleich vorweg: Der Verkauf neuer Mitgliedschaften und die Erneuerungen laufen schlechter als erwartet. Unser Januar-Plan ist bisher nicht aufgegangen. Jeden Tag kommen neue Verlegerinnen dazu, aber etwa gleich viele verlassen uns auch wieder. Das bedeutet: Im Moment wächst die Republik nicht.

Aktuell haben wir 17’847 Mitglieder und Abonnenten – statt 18’747, wie gemäss Plan vorgesehen. Sollte diese Entwicklung gleich bleiben und auch bei der angestrebten zweiten Finanzierungsrunde alles schiefgehen, reichen unsere Mittel noch bis November.

Das ist unsere unternehmerische Realität. Dazu eines unserer Lieblingszitate von Reid Hoffman, Co-Gründer von Linkedin: «An entrepreneur is someone who will jump off a cliff and assemble an airplane on the way down.»

Seien Sie also beunruhigt – aber nicht allzu sehr.

Denn auf der anderen Seite glauben wir mehr denn je an unser Produkt, das Team und seine Lernfähigkeit. Zudem ist unser Eigenfinanzierungsgrad sehr ansehnlich.

Die Republik ist zu fast drei Vierteln finanziert von Ihnen, unseren Leserinnen und Unterstützern. Das können Sie übrigens auch ganz einfach selber ausrechnen:

  • 240 Franken × 17’847 Mitgliedschaften und Abonnements – das macht 4,28 Millionen Franken Einnahmen pro Jahr, wenn man die Zahlen vom Mai hochrechnet.

  • Unser Jahresbudget liegt derzeit bei 5,9 Millionen Franken. 4,28 Millionen Franken Einnahmen geteilt durch 5,9 Millionen Franken Ausgaben ergibt 72,5 Prozent Eigenfinanzierung. Der Durchschnitt seit dem Start im Januar 2018 liegt bei 84 Prozent (gerechnet mit den effektiven, nicht den budgetierten Ausgaben).

Es fehlen uns knapp 7000 Abonnemente, um mit den aktuellen Ausgaben selbsttragend zu sein. Die Republik muss also wachsen, und wir sind nach wie vor überzeugt, dass wir das schaffen. Aus zwei Gründen: Wir glauben, dass sich die Republik in die richtige Richtung weiterentwickelt. Und wir können mit unserem Journalismus etwas liefern, was die Gesellschaft braucht – und deshalb auch bereit ist, zu finanzieren.

Zur Lage des Journalismus

Seit unserem Crowdfunding vor zwei Jahren hat die Abwärtsspirale der Schweizer Medienbranche weiter an Geschwindigkeit und damit auch an Dramatik zugelegt.

Tamedia hat ihre zwölf Deutschschweizer Redaktionen zu einer Einheitsredaktion fusioniert, die NZZ und die AZ Medien haben ihre Regionalmedien in einem Joint Venture zusammengelegt, was zum Abbau von 200 Stellen führt und dazu, dass Ende dieses Monats die «Zentralschweiz am Sonntag» zum letzten Mal erscheinen wird. Bei der Schweizerischen Depeschenagentur SDA, dem Förderband der Realität, sind rund 40 von 180 Stellen gestrichen worden, während sich die Aktionäre, also die Schweizer Verleger, eine fette Dividende auszahlen lassen. Die «Tageswoche» ist Geschichte und die traditionsreiche «Annabelle» bis auf das Skelett ausgehungert.

Das alles ist keine neue Entwicklung, sondern ein langfristiger Trend. Zwischen 2011 und 2016 gingen in der Schweiz 3000 journalistische Stellen verloren.

Nun, man kann zu diesen Entwicklungen stehen, wie man will. Als journalistische Unternehmerinnen sind wir uns bewusst, dass dies auch Teil eines transformativen Prozesses ist, der nicht nur schlechte Seiten hat.

Fakt bleibt: Es entstehen aktuell viel weniger neue professionelle journalistische Angebote, als alte verschwinden. Es ist ein Kampf gegen die Zeit. Wir arbeiten an einem neuen Modell. Und wünschen allen, die ebenfalls daran arbeiten, dem professionellen Journalismus eine Zukunft zu geben, viel Erfolg und Glück. Denn stirbt der Journalismus, stirbt auch die offene Gesellschaft, das freie Wort, der Wettbewerb der besten Argumente … (kennen Sie unser Manifest schon?).

Zur Lage der Republik

Was tun wir in dieser schwierigen Situation? Weiter an unserem Produkt arbeiten, unser gemeinsames Unterfangen unternehmerisch, publizistisch und technisch weiterentwickeln – und vor allem: die Bekanntheit der Republik weiter erhöhen.

Im vergangenen ersten Jahr 2018 legten wir den Fokus auf den Aufbau der Redaktion und der Plattform, und wir hatten mit den Turbulenzen eines Firmenaufbaus zu kämpfen. Nun können wir endlich wieder in das Wachstum der Zahl unserer Mitglieder und Abonnenten investieren. Deshalb haben wir im Bereich Marketing eine Stelle ausgeschrieben.

Und auch erste Aktionen gestartet. Zum Beispiel finden Sie ab sofort an über 100 Orten in der Deutschschweiz eine gedruckte Kostprobe der Republik. Einmal pro Monat verteilen wir einen kleinen Auszug unseres digitalen Angebots auf Papier – in Cafés, Beizen und Bibliotheken, vorerst kostenlos und als Pilotprojekt während der Sommermonate. Und Sie können dieses Projekt unterstützen: Tragen Sie sich in unser Formular ein, wenn Sie ein geeignetes Lokal für diese Aktion kennen.

Weiter sind wir wie geplant daran, eine zweite Finanzierungsrunde zu organisieren.

Bis die Republik als selbsttragendes Geschäftsmodell existieren kann, müssen wir uns Zeit verschaffen, um uns weiterzuentwickeln und noch relevanter, innovativer, zugänglicher und bekannter zu werden. Dabei bleibt unser Motto das gleiche wie schon seit den Anfängen: ausprobieren, lernen, wieder ausprobieren, besser werden.

Ihr Feedback spielt in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle – und hat uns schon zu vielen Verbesserungen angeregt: Auf Ihren Wunsch haben wir die Merkliste und später die Leseposition entwickelt, den Dialog-Bereich bereits mehrmals überarbeitet, die Privatsphäre-Einstellungen erweitert und für die Bekanntmachung der Republik die Möglichkeit eingeführt, Ihre Mitgliedschaft für zwei Wochen zu teilen.

Auch journalistisch glauben wir, entscheidende Schritte weitergekommen zu sein.

Einerseits bewegen wir uns zunehmend etwas näher an die Aktualität, ohne den Fokus auf Hintergrund und Vertiefung aufzugeben. Andererseits sind wir in der Formenvielfalt multimedialer geworden, weil nach dem Aufbau der Plattform jetzt mehr Ressourcen frei sind, um die journalistischen Inhalte weiterzuentwickeln.

In unserem letzten Newsletter im März an Sie in der Verlagsetage haben wir vier konkrete Ziele formuliert. Erstes und oberstes Ziel war mehr Dringlichkeit. Sie ist nicht einfach messbar. Aber wir setzten bewusst auf Recherchen, die «wehtun»:

Besonders stolz sind wir auf jene Produktionen, bei denen wir unsere Stärken als digitale Publikation ausspielen können:

Die anderen drei Ziele bezogen sich (im Nachhinein scheint uns das reichlich kurios) alle auf den Zustand der Firma. Und, das ist ebenfalls kurios an diesen Zielen, es scheint, als hätten wir sie erreicht. Wir wollten schlanker werden und haben 10 Prozent der Kosten eingespart. Wir wollten Einigkeit und entspanntere Produktionsbedingungen, und auch das haben wir erreicht: Das Team ist mehr denn je ein Team. Und die Spannungen beim turbulenten Aufbau im ersten Jahr sind den journalistischen und unternehmerischen Herausforderungen gewichen.

Was jetzt an weiteren Entwicklungen ansteht: Wir arbeiten an einer besseren Navigation und mehr Übersicht (dazu nach dem Sommer mehr), der konzeptionellen Weiterentwicklung des Feuilletons und seiner vollständigen Integration ins grosse Ganze sowie an der Umsetzung thematischer Dossiers.

Personalien

Damit zu einigen Informationen und Neuerungen im Team.

Die neue Chefredaktion mit Brigitte Meyer und Oliver Fuchs, die zusammen mit dem bereits im letzten Newsletter als Chefredaktor angekündigten Co-Gründer Christof Moser ein Team bilden, hat sich erfreulich rasch eingespielt.

  • Brigitte Meyer (49) ist seit den ersten Design- und Konzeptworkshops im Sommer 2017 an Bord der Republik. Als Bildchefin und Art Director mit grosser Erfahrung bei Publikationen wie der NZZ und der «Weltwoche» ist sie die ideale Person, um Produkt und Redaktion weiterzuentwickeln.

  • Oliver Fuchs (28), begabter Blattmacher, Schreiber und Dialog-Moderator – Sie kennen ihn wahrscheinlich bisher vor allem aus den Republik-Debatten oder von unserem Auftritt in den sozialen Netzwerken –, ist eine perfekte Besetzung für eine Publikation, die ihre Leserschaft ins Zentrum der Aufmerksamkeit stellt.

Weiter freuen wir uns, Ihnen die neue Geschäftsleitung vorstellen zu können. Ende dieses Monats werden Miriam Walther und Erica Dubach Spiegler die Geschicke des Unternehmens gemeinsam übernehmen.

  • Miriam Walther (32) ist als Community-Netzwerkerin an Bord der Republik gekommen und bereits seit Oktober 2018 Mitglied der Geschäftsleitung. Als Produktionsleiterin und Theaterregisseurin ist sie bestens dafür qualifiziert, auch in dramatischen Situationen ein abenteuerliches Unterfangen am Laufen zu halten.

  • Erica Dubach Spiegler (49), unser neuestes Teammitglied, weiss aus ihrer Zeit als Programmiererin in der Dotcom-Blase, was einen Hype von langfristigem Erfolg unterscheidet. Sie bringt frischen Wind und viel Management-Erfahrung in die digitalen Segel der Republik.

Die Krawattenträgerinnen unter Ihnen wird es freuen zu hören, dass wir nach der Gründungsphase Schritt für Schritt professioneller werden und Geschäftsleitung, Chefredaktion und Verwaltungsrat komplett entflechten: Tobias Asch und Clara Vuillemin, die in den letzten neun Monaten zusammen mit Richard Höchner und Miriam Walther das Geschäft geführt haben, ziehen sich auf die strategische Ebene (Vorstand, Verwaltungsrat) zurück. Und Christof Moser ist als neuer, alter Chefredaktor aus dem Verwaltungsrat ausgetreten.

Und jetzt noch zu einem Versprechen, das wir Ihnen während des Crowdfundings gemacht haben: Ausbildungsplätze zu schaffen. Auch das haben wir gehalten: Ende April ging der erste einjährige Ausbildungszyklus zu Ende.

Vielen Dank, Isabelle Schwab (für innovative Erzählformen wie die Whatsapp-Geschichte), und viel Glück im neuen Job bei SRF, Michael Kuratli (für viele lesenswerte Reportagen und nicht zuletzt auch für den unermüdlichen Einsatz für das beliebte Format «Was diese Woche wichtig war»), Adelina Gashi (ebenfalls für die vielen Geschichten und vor allem für die beeindruckende Arbeit über abgewiesene Asylsuchende in Urdorf) und Elia Blülle (schön, dass du uns erhalten bleibst). Ohne euch wäre die Republik eine andere!

Und inzwischen sind bereits zwei neue Auszubildende an der Arbeit. Willkommen, Ronja Beck, und weiter so, Andrea Arezina – viel Erfolg für eure Ausbildung bei der Republik.

Es ist ein Glück, mit so vielen talentierten und motivierten Menschen zu arbeiten. Aber man hat manchmal auch Pech, und in einem kleinen Team können einzelne Ausfälle schwer wiegen. Constantin Seibt nimmt nach drei Jahren harter Arbeit ohne Pause ein ärgerlicherweise notwendiges Sabbatical. Wir vermissen dich! Nicht weniger schmerzlich vermissen wir den leider bereits seit Monaten krankheitsbedingt abwesenden Co-Gründer und Community-Netzwerker Richard Höchner. Wir wünschen von Herzen gute Besserung!

Drei Dinge, die Sie tun können

Wir arbeiten an einem neuen Modell für den Journalismus. Das schaffen wir nicht allein, sondern nur gemeinsam mit Ihnen. Deshalb ganz zum Schluss nochmals ein paar Sätze dazu, wie Sie die Republik am besten unterstützen können.

Nun, erstens: Bleiben Sie an Bord. Und bleiben Sie kritisch.

Zweitens, wir können es nicht genug betonen: Die grösste Ehre und der grösste Gewinn für uns ist, wenn Sie unsere Beiträge mit Freunden und Feinden teilen. Oder teilen Sie mit ihnen gleich die ganze Republik für zwei Wochen. Oder für einige Monate. Oder ein Jahr.

Und drittens: Schreiben Sie uns zu diesem Newsletter einen Kommentar und teilen Sie uns Ihre Gedanken und Ideen mit: in unserem Dialog. Dort liest die Crew der Republik Ihre Rückmeldungen. Sie sind uns wichtig. Daran wachsen wir. Immer und immer wieder.

Stay tuned!

Ihre Crew von Project R und der Republik

PS: Sie werden schon bald wieder von uns hören. Ab dem 4. Juli können die Jahresmitglieder unter Ihnen über die Revisionsstelle und das Project-R-Budget abstimmen. Zeitgleich zeigen wir Ihnen unsere geplanten Ausgaben für das dritte Geschäftsjahr. Wir wollen, dass Sie wissen, wohin Ihr Geld fliesst.

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